Residence Schönblick





Auf dem Gelände eines ehemaligen Beherbergungsbetriebs in Vilpian entstand eine Wohnsiedlung für 19 einheimische Familien. Ziel war es, mit einfachen konstruktiven Mitteln, hoher Energieeffizienz und einer klaren Freiraumstruktur eine hochwertige und zugleich leistbare Wohnumgebung zu schaffen.
Das leicht geneigte Grundstück war durch die frühere Parkplatznutzung stark verändert. Da größere Grabungen aufgrund der Grundwassersituation vermieden werden mussten, wurde der natürliche Geländeverlauf weitgehend wiederhergestellt. Die gemeinsame Garage liegt unter dem Wohngelände und wird zur Landesstraße hin durch eine Böschung in die Topografie eingebettet. Dadurch bleibt die eigentliche Siedlung frei von Autos. Die Zufahrt erfolgt direkt von der Landesstraße; Fußgänger erreichen die Wohnebene über barrierefreie Rampen und Treppen.
Über dem gemeinsamen Untergeschoss entwickeln sich zweigeschossige Wohnbauten mit begrünten Flachdächern. Ein Netz aus Wegen, Treppen und kleinen Aufweitungen verbindet die Häuser miteinander und schafft Übergänge zwischen privaten Gärten, Terrassen und gemeinschaftlich genutzten Bereichen. Begrünung und Holzlamellen sorgen dabei für Privatheit, ohne die Siedlung durch massive Abgrenzungen zu zerteilen.
Die Architektur beschränkt sich bewusst auf wenige robuste Materialien: weiß verputzte Massivbaukörper, Holz an Fenstern und Sichtschutzelementen, anthrazitfarbene Stahlkonstruktionen sowie Sichtbeton und Porphyr im Außenraum. Diese reduzierte Materialpalette gibt der gesamten Anlage einen gemeinsamen Charakter, während die versetzten Baukörper, Terrassen und Gärten jeder Wohnung einen eigenen Außenraum und eine klare Adresse geben.
Ein wesentliches konstruktives Thema war die langfristige Anpassungsfähigkeit der Wohnungen. Die Häuser werden von parallel angeordneten Stahlbetonwandscheiben getragen; die dazwischenliegenden Innenwände sind in Leichtbauweise ausgeführt. Dadurch lassen sich Grundrisse einfach verändern und Räume bei Bedarf sogar benachbarten Wohneinheiten zuordnen. Flexibilität wird damit nicht als Zusatz verstanden, sondern als Teil einer langlebigen Architektur.
Jede Wohnung verfügt über eine großzügige Terrasse oder einen privaten Garten; die gemeinschaftlichen Freiräume ergänzen diese um zusätzliche Aufenthalts- und Bewegungsflächen. Die Bushaltestelle unmittelbar an der Siedlung unterstützt das Konzept eines möglichst autofreien Alltags.
Auch energetisch wurde die Anlage konsequent geplant. Die Gebäude erreichen KlimaHausstandard A-Natur; Sonnenkollektoren, Wärmepumpe, Niedertemperaturheizung, Regenwasserversickerung, konstruktiver Sonnenschutz und dezentrale Wohnungslüftungen ergänzen das Energiekonzept.
So entstand keine klassische Wohnanlage, sondern eine kleine, durchlässige Siedlungsstruktur: kompakt in der Bebauung, großzügig in den privaten Außenräumen und mit einem klaren Verhältnis zwischen Haus, Garten, Weg und Landschaft.
Vilpian · BZ · 2019
Fotos: LA