Wohn- und Geschäftshaus Drususstraße

Das ehemalige Hotel Anderlan an der Drususallee wurde grundlegend umgebaut und einer neuen Nutzung zugeführt. Aus dem bestehenden Hotel entstanden zehn Wohnungen in den Obergeschossen, während das Erdgeschoss weiterhin der Dienstleistungsnutzung vorbehalten blieb. Die vorhandene Kubatur wurde dabei nicht vergrößert, sondern innerhalb des Bestands neu organisiert und zeitgemäß weiterentwickelt.

Ein später hinzugefügter, turmartiger Sanitäranbau wurde abgebrochen. Mit der dadurch frei werdenden Baumasse konnte das bisher unausgebaute Dach zu einem vollwertigen Geschoss erweitert werden. Straßenseitig entstand zusätzlich eine neue, mehrgeschossige Schicht aus Wintergärten. Sie verbessert nicht nur die Wohnqualität, sondern übernimmt entlang der stark befahrenen Drususallee zugleich Funktionen des Lärm- und Wärmeschutzes.

Architektonisch wird der Eingriff durch den bewussten Kontrast zwischen dem ruhig weiß verputzten Bestand und den neuen Bauteilen geprägt. Dachgeschoss, Wintergärten und Treppenhaus erhielten eine dunkle, vorbewitterte Metallverkleidung. In der ausgeführten Fassung entwickelt die rostfarbene Metallhaut eine starke Eigenständigkeit: Der hohe straßenseitige Baukörper fasst Wintergärten, Balkone und Dachgeschoss zu einem vertikalen Element zusammen und gibt dem zuvor heterogenen Bestand eine neue Adresse im Stadtraum. Die unregelmäßig geformten Geländerstäbe lockern die strenge Struktur auf und verleihen ihr eine handwerkliche, beinahe textile Qualität.

Auch zum Hof wurde der Bestand neu geordnet. Die Wohnungen erhalten einen eigenen Eingang, ein neues Treppenhaus und einen Aufzug; ein begehbares Flachdach schafft zusätzliche Außenflächen. Im Inneren wurden Grundrisse, Installationen und Bodenaufbauten weitgehend erneuert, während die bestehenden Fensteröffnungen großteils erhalten blieben. Alle Wohnungen sind schwellenlos erschlossen.

Die Sanierung war zugleich eine energetische Erneuerung des gesamten Gebäudes. Außenwände, Bodenplatte und Dachflächen wurden gedämmt, die Fenster ersetzt und Wärmebrücken reduziert. Südseitige Wintergärten nutzen im Winter solare Gewinne und können im Sommer weitgehend geöffnet werden. Das sanierte Gebäude erreicht KlimaHaus-Standard B.

So wird aus einem ehemaligen Hotel kein vollständig neues Haus, sondern ein weitergebautes Stück Stadt: Der Bestand bleibt ablesbar, erhält aber durch wenige präzise Eingriffe eine neue Nutzung, eine verbesserte energetische Qualität und eine unverwechselbare architektonische Identität.

Bozen · BZ · 2018

Fotos: Alexa Rainer